Das Göttinger Tageblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 16. Mai 2013:

Bäckerei Thiele und AWO Göttingen eröffnen Filiale für psychisch Erkrankte

Psychisch erkrankten Menschen, die auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt keine Chance haben, eine angemessene Berufstätigkeit zu ermöglichen, das ist das Ziel des Projekts „Brot-Galerie – Bestes von gestern“.

Göttingen. Arbeiterwohlfahrt Göttingen (AWO) und die Bäckerei Thiele führen das Projekt gemeinsam durch. Von der AWO-Einrichtung „Trialog“ betreute Menschen verkaufen in der neuen Filiale in der Harzstraße 15 Brot Brötchen und Kuchen.

„Es gibt in Göttingen außerhalb des ersten und zweiten Arbeitsmarkts keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten“, berichtet Trialog-Leiter Josef Mörz. „Da kam das Angebot von Frau Thiele-Hann wie gerufen.“

Die Inhaberin von Thiele war an die AWO mit der Frage herangetreten, ob es eine Möglichkeit gäbe, überschüssige Backwaren sinnvoll zu verwenden.

Angemietet, renoviert und eingerichtet

Bisher gingen nämlich rund 10 Prozent der Produktion in die Futtermittelherstellung. „Das beinhaltet nicht verkaufte Waren vom Vortag, Produktionsüberhänge und Ausschussware mit Schönheitsfehlern (aufgeplatzte Brote). Thiele-Hann: „Alles Lebensmittel, die völlig einwandfrei sind, aber im normalen Verkauf nicht mehr angeboten werden können.“

In Zukunft soll ein großer Teil dieser Produkte über den Ladentisch in der Harzstraße gehen. Die AWO hat Räumlichkeiten, in denen sich früher schon mal eine Bäckerei-Filiale befand und die anschließend lange leer standen, angemietet, komplett renoviert und eingerichtet. Zehn psychisch kranke Menschen – neun Männer und eine Frau – werden hier wöchentlich zwischen zwei und zwölf Stunden arbeiten, dabei von einer Ergotherapeutin und einem Alltagsbegleiter betreut.

„Das Projekt trägt sich selbst“
Sie erhalten einen Lohn, der nicht mit den Leistungen, die ihnen sowieso zustehen, verrechnet wird. Michelle Schäfers, Mitarbeiterin der Thiele-Filiale am Markt, übernimmt ihre Einarbeitung. Der Verkaufserlös der um die Hälfte des Originalpreises reduzierten Backwaren geht zu je 50 Prozent an Thiele und an die AWO. „Wir erwirtschaften keinen Gewinn“, sagt Mörz, „erhalten aber auch keine Zuschüsse. Das Projekt trägt sich selbst.“

Für den Standort Grone hätte man sich bewusst entschieden, „um möglichst vielen Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit zu geben, hochwertige Lebensmittel günstig einzukaufen.“ Von Hauke Rudolph


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